Allgemeine maurerische Grundsätze

Sie wurden aufgestellt unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, als sich die Freimaurer wieder fanden und die damaligen Militärregierungen in Deutschland um Zulassung der Logenarbeiten ersuchten. Sie formulierten dazu wie folgt:

 

"Fern jeder politischen Betätigung nach innen und außen, ohne Stellungnahme für oder gegen eine Kirche oder Konfession wird von den Freimaurern Achtung vor jeder ehrlichen Überzeugung in voller Freiheit des Geistes, Gewissens und Glaubens gefordert.

 

Freimaurer sind verpflichtet, sich als friedliche Bürger der Ordnung des Staates einzufügen, in dem sie leben, ihm als ihrem Vaterlande treu zu dienen und mit allen Kräften für das Wohl ihres Volkes zu arbeiten.

 

Die Loge kennt in ihrem Kreis keinerlei Unterschiede von Geburt, Rang, Stand, Rasse und Religion und sieht in dem ganzen Menschengeschlecht eine einzige große Familie, deren Glieder - im Rahmen der verschiedenen Völker in gemeinsamer, friedlicher Kulturarbeit geeint - in Liebe und Brüderlichkeit zusammenleben sollen. Kein Volk ist um seiner selbst willen da, sondern jedes hat die Pflicht, sich selbstlos in den Dienst der allgemeinen Menschheit zu stellen. Darum lehrt die Loge ihre Mitglieder das Evangelium der Liebe und Arbeit, indem sie jeden verpflichtet, frei von gesellschaftlichen Vorurteilen seinen Nebenmenschen als Bruder zu achten und zu lieben und sich durch strenge Selbstzucht zu einem geistig freien Menschen zu erziehen, der mit Selbstbewusstsein seine volle Kraft für den Nächsten, für sein Volk, ja, für die ganze Menschheit einsetzt, um diese auf gleichem Wege wie sich selbst zu möglichst hoher sittlicher Vollkommenheit zu führen. An die Stelle der im profanen Leben so oft vorherrschenden Vorurteile will die Loge die Liebe setzen.

 

Getreu den Alten Pflichten niedergelegten ethischen Grundsätzen bejaht die Loge die Existenz Gottes. In dem Bilde Gottes als Allmächtigen Baumeisters der Welt verehren ihre Mitglieder Quelle und Endziel aller sittlichen Ideen. Maurerische Symbole weisen auf die höhere Bestimmung des Menschen und die Unsterblichkeit der Seele hin; die Loge fordert jedoch von ihren Mitgliedern kein dogmatisches bestimmtes Bekenntnis und achtet jede Überzeugung; sie verwirft jede Verfolgung, die die Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit antastet.

 

In dem Bestreben, ihre Mitglieder zur Selbsterkenntnis, zur Menschenliebe in Gesinnung und Tat, zur sozialen Hilfsbereitschaft sowie zur Schärfung des Gewissens und des Verantwortungsgefühls für jede Handlung zu erziehen, bedient sich die Loge einer nur ihr eigenen symbolischen Lehrmethode und im symbolischen Sinne der Werkzeuge, wie sie bei den alten Steinmetzbauhütten und den Handwerksmaurern üblich waren und sind, von denen sie ihre Einrichtungen, Rituale und Verkehrsformen im wesentlichen entlehnt hat. Letztere sind das einzige Geheimnis, zu dem die Loge ihre Mitglieder verpflichtet.

 

Die Loge stellt sich rückhaltlos, auch in ihren Gesetzen, auf den Boden einer demokratischen Verfassung, und deshalb werden alle wichtigen Beschlüsse in freier und unbeeinflussbarer Mehrheitsentscheidung gefasst und der Meister vom Stuhl sowohl wie alle anderen Beamten der Loge in geheimer Abstimmung gewählt."

 

(Quelle: Rolf Appel, Die großen Leitideen der Freimaurerei, Bauhütten Verlag Münster, 1986, S.21-22.)