Magna Charta

Der deutschen Freimaurerei vom Jahre 1958


PRÄAMBEL.

In dankbarer Erinnerung an die brüderliche Hilfe, die im Sommer 1957 die in London versammelten europäischen Großmeister der deutschen Freimaurerei für ihren endgültigen Zusammenschluß zu einer Bruderschaft in einer gemeinsamen, nationalen Ordnung gegeben haben, in Anerkennung der gezeigten und erklärten Bereitwilligkeiten, nicht nur mitzuwirken, sondern in unlösbar erscheinenden Fragen schiedlich Lösungen zu zeigen, legen die beiden gründenden Großen Logen:

Vereinigte Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland und Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland die nachstehende Magna Charta nicht nur ihren Bruderschaften, sondern auch den befreundeten Großlogen vor.


Teil 1 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Wir deutschen Freimaurer stellen uns unter das Gebot freimaurerischer Brüderlichkeit und Einigkeit.

Wir deutschen Freimaurer bekennen uns zu der Königlichen Kunst, die alle Freimaurer auf der Erde verbindet und zu der Gemeinschaft mit ihnen.

Wir deutschen Freimaurer bekennen uns zu der Toleranz, die uns gebietet, die altehrwürdigen freimaurerischen Lehrarten, die auf deutschem Boden gewachsen sind, zu achten.

Wir deutschen Freimaurer bekennen uns zu dem Recht und zu der Pflicht, unserer nationalen Ordnung eine Form zu geben, wie sie dem Werden der deutschen Freimaurerei und dem Brauchtum der Freimaurerei der Welt entspricht.


Teil 2 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Diese nationale Ordnung soll als souveräne Körperschaft die Vertretung der deutschen Freimaurer gegenüber den Organisationen der Freimaurer im Ausland und gegenüber der Öffentlichkeit übernehmen, in Sonderheit aber die Grundlage für eine echte freimaurerische Zusammenarbeit in allen den deutschen Freimaurern gemeinsamen Aufgaben bilden.

 

Diese Aufgaben sind: die Herstellung einer inneren Ordnung der deutschen Freimaurerei (die Formulierung "Herstellung einer inneren Ordnung" beinhaltet die Schaffung von dieser Ordnungdienenden gemeinsamen Gesetzen und eines gemeinsamen obersten Gerichtes), die Stärkung ihrer Kräfte, die Herbeiführung eines brüderlichen Zusammenhanges, das Schaffen von Einrichtungen, die dem Wohl der Brüder und des deutschen Volkes dienen, die Fühlungnahme mit Instanzen, die Einfluß auf die Arbeit der deutschen Freimaurer nehmen, die Abwehr unberechtigter Angriffe auf die deutsche Freimaurerei und die Freimaurerei der Welt.

 


Teil 3 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Feierlich versichern wir, dass wir dafür sorgen wollen, dass keine unserer Instanzen den Versuch unternimmt, die Selbständigkeit unserer Großen Landeslogen, vor allem in der Pflege der Lehre und der Gestaltung der Organisation anzutasten noch in den Verkehr unserer Großen Landeslogen mit den ausländischen Großlogen gleicher Lehrart sich einzumischen.


Teil 4 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Die äußere Gestaltung unserer nationalen Ordnung wird von der Vereinigten Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland und der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland, ihr innerer Ausbau von ihren eigenen Organen beschlossen. Der Beitritt steht allen deutschen Freimaurerlogen und freimaurerischen Zusammenschlüssen, die als solche anerkannt sind oder anerkannt werden, frei. Den Beschluss der Anerkennung fasst, wenn irgendwelche Zweifel über die Rechtmäßigkeit dieser Logen und ihrer Zusammenschlüsse bestehen, der Senat (Siehe Teil 5 und 6).


Teil 5 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Die gemeinsame nationale Ordnung trägt, entsprechend ihrem Charakter und ihrer Bedeutung, den Namen VEREINIGTE GROSSLOGEN VON DEUTSCHLAND - BRUDERSCHAFT DER DEUTSCHEN FREIMAURER .

 

Die Bruderschaft wird nach außen und innen vertreten durch ihren Vorsitzenden (vorsitzenden Großmeister) oder im Falle seiner Behinderung durch einen Stellvertreter. Dem Vorsitzenden steht als beschließes Organ der Senat und als Vertretung der Bruderschaft der Konvent zur Seite.


Teil 6 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Der vorsitzende Großmeister der Bruderschaft und zwei Stellvertreter werden erstmals vom Senat, dann vom Konvent auf Grund eines Vorschlages des Senats für die Dauer von drei Jahren gewählt. Sie folgen einander alljährlich im Vorsitz; Wiederwahl ist zulässig. Großmeister und mindestens ein stellvertretender Großmeister sollen je einer der beiden Großen Landeslogen angehören. Die Landesgroßmeister können nicht gleichzeitig Vorsitzender Großmeister oder stellvertretender Großmeister sein.

Der Vorsitzende Großmeister und seine Stellvertreter üben ihr Amt ohne Bindung an einer der gründenden Großlogen aus. Sie sind lediglich dem Senat und der Bruderschaft verantwortlich.

Der Vorsitzende Großmeister beruft zu seiner Beratung und Unterstützung fachkundige Brüder, die der Bestätigung durch den Senat bedürfen.


Teil 7 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Der Senat der Bruderschaft ist das beschließende Organ, das aus den jeweiligen Landes-Großmeistern sowie aus aus je vier ordentlichen und zwei stellvertretenden auf drei Jahre von den in Betracht kommenden Organen der Großen Landeslogen zu wählenden Brüdern besteht.

Der Senat gibt sich seine Geschäftsordnung selbst.

Der Senat hat den bindenden Auftrag, binnen eines Jahres ein Gesetz über Aufbau, Arbeitsweise, Rechte und Pflichten des Konvents aufzustellen, den berufenen Organen der Verstragsschließenden vorzulegen und bis zum erstmaligen Zusammentritt des Konvents im Laufe des Jahres 1958 seine Aufgaben stellvertretend wahrzunehmen.

Den Vorsitz im Senat führt der Vorsitzende Großmeister oder ein Stellvertreter.

Sollte ein Mitglied des Senats zum Vorsitzenden Großmeister oder zu einem seiner Stellvertreter gewählt werden, so nimmt die Instanz eine Zuwahl vor, aus deren Großen Landesloge der Großmeister oder ein Stellvertreter gewählt worden ist. In der gleichen Weise werden Ersatzwahlen durchgeführt.

Die Brüder des Senats sind in der Wahrnehmung ihres Amtes nur ihrem Gewissen verantwortlich; sie sind an keinberlei Weisungen gebunden.

Der Vorsitzende Großmeister und seine Stellvertreter haben im Senat keine Stimme.


Teil 8 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Der Konvent ist die Vertretung der Bruderschaft und tritt erstmals im Jahre 1958, alsdann jährlich mindestens einmal zusammen. Mitglieder des Konvents sind die Stuhlmeister und Logenmeister.

Der Konvent wird vom Vorsitzenden Großmeister einberufen.

Dem Konvent obliegt auf der Grundlage brüderlicher Gemeinschaft die Dukomentation des freimaurerischen Geistes und die Mitwirkung bei den Aufgaben des Senats und der gemeinsamen nationalen Ordnung.

Die Mitglieder des Konvents sind nur ihrem Gewissen verantwortlich und nicht an Weisungen gebunden.


Teil 9 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Dem Senat und dem Konvent ist es nicht gestattet, in Dingen der Lehrart, des Rituals, der inneren Ordnung einer der Großen Landeslogen irgendeine Entscheidung zu treffen.


Teil 10 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Die Bruderschaft schafft sich ein oberstes Gericht, das den Charakter eines Verwaltungs- und Verfassungsgerichtes hat und in Dingen der freimaurerischen Ordnung nach freimaurerischem Brauchtum entscheidet, wenn alle Möglichkeiten des Gesetzgebungsganges des Senats erschöpft sind.

Die Ehrenordnungen der beiden gründenden Großen Landeslogen sind zu überarbeiten und einander anzugleichen. Der Senat wird ein entsprechendes Koordinierungsgesetz erlassen.

Die sechs (zum Richteramt befähigten) Mitglieder des Obersten Gerichts werden vom Senat berufen; jeder der beiden Großen Landeslogen müssen mindestens zwei Mitglieder angehören.

Das Oberste Gericht entscheidet in einer Besetzung von drei Mitgliedern, die durch das Los bestimmt werden; beide Große Landeslogen müssen vertreten sein.


Teil 11 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Neue Logen sollen nur dann gegründet oder wiedererrichtet werden, wenn dadurch das Bestehen einer arbeitenden Loge nicht gefährdet wird. Hierzu erlässt der Senat als vordringlich ein Ausführungsgesetz.


Teil 12 - Magna Charta der deutschen Freimaurer.

Revisionen der Magna Charta sind erstmals 1961 und sodann in dreijährigen Abständen möglich, wenn beide Große Landeslogen für sich einverstanden sind.

Erstmals 1967 und sodann in neunjährigen Abständen ist eine Aufkündigung der Magna Charta mit einjähriger Frist möglich, wenn einem Revisionsantrag nicht stattgegeben wird.


Berlin, den 27. April 1958

Auf Grund der Empfehlungen der Verhandlungskommissionen und Kraft der uns zustehenden Rechte unterzeichnet, vorbehaltlich der Ratifizierung der gesetzlichen Versammlungen unserer Großlogen: